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Nahe liegende Fragen und schlichte Antworten



Was ist ein moot court ?

Court steht für Gericht, soviel ist klar. Aber was besagt moot? In Wörterbüchern findet man die allgemeinen Einträge: to moot = erörtern; moot = strittig, offen. Außerdem begegnet man der Spezialbedeutung moot = Debattierübungen, Diskussion von Rechtsfällen durch Studenten. Es handelt sich also um die Simulation einer streitigen Gerichtsverhandlung, um ein gerichtliches Rollenspiel zu Ausbildungszwecken. In den Vereinigten Staaten von Amerika sind sie fester Bestandteil der juristischen Ausbildung.

Dazu erschienen: SIEFERT, Michael: Moot Courts in der britischen und deutschen Juristenausbildung.        Hamburg : Verlag Dr. Kovač, 2014


Welche Bedeutung besitzen moot courts im deutschen Jurastudium ?

An deutschen Universitäten liegt der Schwerpunkt traditionell auf der Rechtsdogmatik, der sogenannten Theorie. Die Unterrichtsform des moot courts ist noch selten. Dies beginnt sich zu ändern, da die fortschreitende Reform des Jurastudiums, die auf eine Verstärkung des Praxisbezugs abzielt, vor allem auf den Anwaltsberuf, moot courts als alternative Unterrichtsform entdeckt hat. Dabei erlangt die Einübung prozessualen Handelns in gerichtlichen Rollenspielen einige Bedeutung.

Anwaltskanzleien - vor allem solche mit wirtschaftlicher und internationaler Ausrichtung - stehen diesen praxisnahen Lehrveranstaltungen positiv gegenüber. Das zeigt nicht zuletzt das Engagement der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz. Sie hat für den Mannheimer Zivilrechts-Moot-Court bereits zum wiederholten Mal einen Geldpreis von 3.000 Euro gestiftet.


Wie wichtig ist dogmatisches Fachwissen in moot courts ?

Selbstverständlich ist rechtsdogmatisches Fachwissen auch in gerichtlichen Rollenspielen wichtig und nützlich. Es erleichtert die Argumentation und bildet einen Wegweiser für die Auswahl der angemessenen Prozessstrategie. Gleichwohl geht es nur in zweiter Linie um abrufbare Rechtskenntnisse. Noch wichtiger sind allgemeine Fähigkeiten: die Fähigkeit zu freier, überzeugender Rede, selbstsicheres Auftreten, gedankliche Flexibilität.

Das gilt auch für den Rechtsanwalt Wolfgang-Schilling-Moot-Court. Als Klägervertreter hat man ein Klagebegehren in einem Zivilprozess möglichst überzeugend zu verfechten, als Beklagtenvertreter hat man es ebenso überzeugend zurückzuweisen. Dass es dabei nicht ganz ohne Zivilprozessrecht abgeht, versteht sich von selbst. 


Wer sind die Richter im Mannheimer Schilling-Moot-Court ?

Den Vorsitz führt Prof. Dr. Wolfgang Krüger, ehemaliger Vorsitzender Richter am BGH. Seine Beisitzer sind Rechtsanwalt Dr. Jaeger von der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz und Professor Falk.

In mancher Hinsicht ist die Verhandlung vor diesem Gericht mit der mündlichen Prüfung im Staatsexamen vergleichbar. Man darf sich also einen zusätzlichen Trainingseffekt erhoffen. Vor allem aber bietet sich die wirklich seltene Chance, vor einem leibhaftigen BGH-Richter zu verhandeln.

 

Eine kleine Zusatzinformation für alle, die dieses Gericht als einschüchternd oder gar angsteinflößend betrachten: Der Vorsitzende, Professor Hagen, ist ein sehr freundlicher Mann, der sich selbst als milden, wohlwollenden Prüfer bezeichnet.


Wer war Wolfgang Schilling ?

Sein Name steht für eine herausragende Verbindung von anwaltlichem und rechtswissenschaftlichem Engagement. Schilling war ein wirklich "großer Anwalt und Wissenschaftler, gesuchter Berater und Schiedsrichter" (Peter Ulmer, ZHR 158 (1994), S. 1-10 (9). Im Jahr 1935 trat er in eine Mannheimer Anwaltssozietät ein, die Wilhelm Zutt und Heinrich Kronstein in den 20er Jahren gegründet hatten. Diese Kanzlei besteht bis heute fort. Schilling verfasste eine Fülle von Kommentierungen zum Aktien-, GmbH- und Personengesellschaftsrecht, insbesondere in den Großkommentaren zum AktG und HGB sowie über 90 Beiträge in Fachzeitschriften und Festschriften. Obendrein wirkte er in der Lehre als Honorarprofessor an der Universität Heidelberg. Er verstarb im Jahr 1992. Aus Anlass seines 65. Geburtstages wurde 1973 von den Professoren Fischer und Hefermehl eine Festschrift zu seinen Ehren herausgegeben.


Wer ist zur Teilnahme berechtigt ?

Teilnehmen dürfen alle Studierenden, die an den Universitäten Mannheim oder Heidelberg im Bereich Rechtswissenschaften immatrikuliert sind.

Die Teilnahme ist nur in 2er-Teams möglich (vgl. aber auch die übernächste Frage). Damit wird auch die Fähigkeit zu gemeinsamem Arbeiten, die in der Anwaltspraxis große Bedeutung besitzt, geschult.

Die Studierenden sollten die Übung im Zivilrecht für Anfänger absolviert haben, was aber keine zwingende Voraussetzung für eine Teilnahme darstellt. 

 

Können außer 2er-Teams auch Singles teilnehmen ?

Die Antwort lautet eigentlich "nein". Einzelkämpfer, denen es an einem passenden Partner fehlt, können sich aber zu Vermittlungszwecken gerne an den Lehrstuhl Falk wenden, der den Schilling-Moot-Court organisiert.


Wie verläuft die Vorrunde des Schilling-Moot-Court ?

Die Vorrunde dient der Vorauswahl der besten Teams. Verlangt wird nur die Ausarbeitung eines Rechtsgutachtens zu einem  dogmatisch anspruchsvollen Zivilrechtsfall aus den Kernbereichen des Examensstoffes.

Wie verläuft die Verhandlung im Finale ?

Auf Grundlage des Vorrundengutachtens wird sodann der gestellte Fall mit verteilten Rollen (Kläger-/Beklagtenseite) verhandelt. Hier entscheidet die mündliche Verhandlung vor Gericht, und zwar in direkter Auseinandersetzung mit einem gegnerischen Team. Die Vorbereitungszeit beträgt wiederum ungefähr eine Woche, wobei die Finalteams eine knappe Klageschrift bzw. Klageerwiderung zu fertigen haben.


Die beiden Sieger erhalten einen Geldpreis von jeweils 1.000 Euro, die beiden unterliegenden Finalteilnehmer erhalten jeweils 500 Euro, jeweils gestiftet von der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz.


Weiterer Informations- oder Beratungsbedarf ?

Die Mitarbeiter des Lehrstuhls Falk stehen für weitere Fragen gerne zur Verfügung. Einige davon haben selbst schon an moot courts teilgenommen, so dass auch Erfahrungsberichte aus erster Hand verfügbar sind.